Sovereign Cloud Stack Trainings

SCS-Trainings weltweit: Wie offene Schulungskonzepte für digitale Souveränität sorgen

Digitale Souveränität ist ein Thema, das längst über die Grenzen Europas hinaus Bedeutung gewonnen hat. Weltweit suchen Organisationen, Unternehmen und Regierungen nach Wegen, die Kontrolle über ihre digitale Infrastruktur und ihre Daten zu behalten – unabhängig, sicher und auf Basis offener Standards. Genau hier setzt Sovereign Cloud Stack (SCS) an.

SCS ist nicht nur die Antwort auf die Frage nach dem Betrieb einer digital souveränen Cloud-Infrastruktur – es ist auch ein Bildungsprojekt. Denn wahre Souveränität entsteht nur, wenn Menschen verstehen, was hinter der Technik steckt – und sie eigenständig betreiben können.

Zusammenarbeit mit GovStack: Standards, Wissen und Praxis vereint

Gemeinsam mit der internationalen Initiative GovStack wurde ein umfassendes Trainingsprogramm entwickelt, das digitale Souveränität im Cloud-Betrieb praxisnah vermittelt. GovStack unterstützt weltweit den Aufbau digitaler Dienste – mit standardisierten Bausteinen, Test- und Demo-Umgebungen sowie einem Marktplatz für interoperable, offene Lösungen.

Das Projekt Sovereign Cloud Stack (SCS) bringt sich dabei aktiv ein: So war SCS maßgeblich an der Entwicklung des Cloud-Infrastruktur-Bausteins beteiligt. Die SCS-Referenzimplementierung ist auch als konforme Lösung auf dem govstack-Marktplatz gelistet – ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu mehr Vertrauen und internationaler Verbreitung souveräner Cloud-Technologien.

Ein wichtiger Teil dieser Zusammenarbeit ist ein Trainingsprogramm, das sowohl technische Grundlagen als auch praktische Erfahrung vermittelt. Es umfasst:

  1. Selbststudium über Online-Materialien,
  2. eine einwöchige Grundlagen-Schulung,
  3. mehrere Wochen praktischer Arbeit mit Testumgebungen (z.B. „Cloud-in-a-Box“),
  4. und ein Fortgeschrittenentraining mit Fokus auf den realen Betrieb.

Ziel des Programms ist es, dass engagierte Teilnehmer:innen danach selbständig in der Lage sind, eine vollständige SCS-Cloud (Virtualisierungs- und Containerschicht und Tools) zu betreiben – mit nur punktueller Unterstützung durch externe Partner.

SCS in Afrika: Erfolgreiches Training in Kenia

Ein herausragendes Beispiel für die Umsetzung dieses Programms ist das erste Fortgeschrittenen-Training in Nairobi, Kenia, das im Mai 2025 stattfand. Gut 20 Teilnehmer:innen aus Kenia, Somalia und Djibouti kamen für eine intensive Schulungswoche zusammen. Die meisten hatten zuvor bereits an den Grundlagen-Schulungen teilgenommen, die in mehreren afrikanischen Ländern von Karsten Samaschke durchgeführt wurden.

Organisiert und finanziert wurde das Training von der ITU (Internationale Fernmeldeunion, Genf) und der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, Bonn/Eschborn). Für französischsprachige Teilnehmende wurden vor Ort Simultanübersetzungen bereitgestellt – so konnten alle ohne Sprachbarrieren aktiv mitarbeiten.

Die Schulungswoche in Nairobi war geprägt von hoher Motivation und intensivem Engagement. Trotz einiger Herausforderungen – insbesondere, dass die für die Vorbereitungsphase vorgesehene Infrastruktur in den Heimatländern vielfach nicht wie geplant zur Verfügung stand – arbeiteten die Teilnehmer:innen konzentriert und aktiv mit. Dabei konnten sie ein solides Fundament an Wissen und Fähigkeiten aufbauen. Mit weiterer praktischer Erfahrung und eventuell einem zusätzlichen Kurs werden sie in der Lage sein, eine SCS-Cloud eigenständig und zuverlässig zu betreiben.

Lernen durch Tun: Cloud-in-a-Box als lokale Trainingsumgebung

Das Training folgte einem klaren Prinzip: Erklären, ausprobieren, anwenden. In vielen kleinen Modulen wurden zunächst einzelne Themen vorgestellt und erläutert. Direkt im Anschluss setzten die Teilnehmer:innen das Gelernte in praktischen Aufgaben um – mit Unterstützung der Trainer, aber in eigenständiger Arbeit.

Alle Demonstrationen und Übungen fanden vor Ort auf einer speziell dafür eingerichteten Cloud-in-a-Box (CiaB) statt. Diese kompakte, leistungsfähige Trainingsumgebung machte das Lernen nicht nur greifbar, sondern auch unabhängig von einer stabilen Internetverbindung nach Europa. So konnten die Teilnehmenden jederzeit unter realistischen Bedingungen arbeiten – genau so, wie es später im echten Betrieb einer SCS-Cloud erforderlich ist.

Die eingesetzte CiaB war ein leistungsstarker Minicomputer mit 8 Zen4-Kernen (16 Threads), 96 GB RAM und 2×4 TB NVMe-Speicher. Darauf liefen alle für den Betrieb einer SCS-Cloud relevanten Dienste: Ceph für Block- und Objektspeicher, OpenStack für Virtualisierung sowie mehrere Kubernetes-Cluster mit den SCS Cluster Stacks.

Über ein lokal bereitgestelltes WLAN und WireGuard-VPN hatten die Teilnehmer:innen von ihren eigenen Laptops – egal ob Windows, macOS oder Linux – direkten Zugriff auf die Infrastruktur. Dadurch konnten sie nahtlos zwischen theoretischem Input und praktischer Umsetzung wechseln und wertvolle Erfahrungen im Umgang mit Nutzer- und Betreiberrollen sammeln.

SCS-Trainingsmaterial: Offen, flexibel, gemeinsam weiterentwickelbar

Für das gesamte Trainingsprogramm wurde Schulungsmaterial entwickelt – modular, praxisorientiert und offen verfügbar.

Der Aufbau folgt einem didaktischen Konzept: Nach jedem Wissensblock schließen sich passende Übungen an – praktische Aufgaben, die entweder selbstständig oder mit Unterstützung der Trainer:innen bearbeitet werden. Während des Trainings in Nairobi konnten ein Großteil dieser Übungen erfolgreich umgesetzt werden – auch wenn aus Zeitgründen nicht alle vollständig bearbeitet werden konnten.

Das Material liegt in Markdown-Form vor, lässt sich leicht erweitern, und kann z.B. mit HedgeDoc direkt in Präsentationen umgewandelt oder als umfangreiches PDF-Buch genutzt werden (derzeit rund 85 Seiten, Stand August 2025).

Besonders wichtig: Die Unterlagen wurde unter einer Open-Source-Lizenz (CC-BY-SA-4.0) veröffentlicht. Diese Lizenz verpflichtet zur Namensnennung der Autor:innen (BY) und zur Weitergabe eigener Verbesserungen unter derselben Lizenz (SA). Sie wurde bewusst gewählt, um sicherzustellen, dass künftige Ergänzungen und Verbesserungen der gesamten Community zugutekommen.

Die Marken Sovereign Cloud Stack und SCS sind weiterhin Eigentum der OSBA. Schulungen unter dem SCS-Namen sollten daher durch Mitglieder und in Abstimmung mit dem Forum SCS-Standards der OSBA angeboten werden. So wird eine konsistente Darstellung gewährleistet und die Qualität der Trainings gesichert. Die Mitarbeit im Forum, die Durchführung eigener Trainings und die Weiterentwicklung des Materials sind ausdrücklich erwünscht – jede:r kann hier einen Beitrag leisten, um souveräne Cloud-Technologien weltweit zu verbreiten.

🔗 Download & Mitmachen: https://github.com/SovereignCloudStack/scs-training/

Danksagung

Ein besonderer Dank geht an die ITU für die Finanzierung und die Lizenzfreigabe der Schulungsmaterialien, an die GIZ für Organisation und Finanzierung des Trainings in Kenia, das Karsten Samaschke (VanillaCore) gemeinsam mit mir (Kurt Garloff, S7n Cloud Services GmbH) durchgeführt hat. Zu den Trainingsmaterialien haben außerdem dNation s.r.o.OSISM GmbH und die SCS Community inhaltlich beigetragen.

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