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Was ist das Ziel von Sovereign Cloud Stack?

Sovereign Cloud Stack definiert offene, überprüfbare Standards und Bausteine für Cloud-Infrastrukturen, damit Organisationen souveräne Plattformen ohne Vendor-Lock-in aufbauen und betreiben können.

Im Fokus stehen Interoperabilität, Transparenz, technologische Unabhängigkeit und zertifizierbare Souveränität

Organisationen sollen in der Lage sein:

  • ihre Cloud-Infrastruktur selbst zu gestalten und zu kontrollieren
  • Anbieter flexibel zu wechseln
  • Abhängigkeiten langfristig zu vermeiden
  • Systeme nachhaltig weiterzuentwickeln

Dabei geht es nicht nur um Compliance oder Standortfragen, sondern um die strukturelle Beherrschbarkeit von Cloud-Architekturen.

SCS verfolgt damit das Ziel, digitale Souveränität zu einer technisch überprüfbaren Realität zu machen.

Warum ist digitale Souveränität wichtig?

Digitale Souveränität ist eine zentrale Voraussetzung für Handlungsfähigkeit, Sicherheit und Innovationsfähigkeit.

Cloud-Infrastrukturen bilden die Grundlage moderner IT. Gleichzeitig entstehen durch ihre Nutzung neue Abhängigkeiten:

  • von einzelnen Anbietern
  • von proprietären Plattformen
  • von rechtlichen Rahmenbedingungen außerhalb der eigenen Kontrolle

Diese Abhängigkeiten können strategische Risiken erzeugen – etwa durch eingeschränkte Wechselmöglichkeiten, mangelnde Transparenz oder begrenzte Einflussnahme auf technologische Entwicklungen.

Digitale Souveränität adressiert genau diese Herausforderungen. Sie beschreibt die Fähigkeit, digitale Systeme:

  • selbstbestimmt zu nutzen und zu gestalten
  • unabhängig zu betreiben oder zu verlagern
  • langfristig kontrollieren und weiterentwickeln zu können

Dabei geht es ausdrücklich um mehr als rechtliche Konformität. Datenschutz und Regulierung sind wichtige Grundlagen, reichen jedoch allein nicht aus, um nachhaltige Kontrolle über digitale Infrastrukturen zu gewährleisten.

Entscheidend ist vielmehr die Architektur der Systeme:

  • Sind Schnittstellen offen und standardisiert?
  • Lassen sich Workloads zwischen Anbietern bewegen?
  • Ist der Betrieb nachvollziehbar und reproduzierbar?
  • Bleibt Wissen verfügbar oder ist es an einzelne Anbieter gebunden?

Digitale Souveränität wird damit zu einer konkreten Gestaltungsfrage von Cloud-Architekturen – nicht zu einem reinen Compliance-Thema.

Für Organisationen bedeutet das:

  • mehr strategische Entscheidungsfreiheit
  • höhere Resilienz gegenüber Ausfällen und geopolitischen Risiken
  • bessere Kontrolle über Daten und Prozesse
  • langfristige Vermeidung von Lock-in-Effekten

Für den Markt bedeutet es:

  • mehr Wettbewerb
  • mehr Innovation
  • mehr Transparenz
Digitale Souveränität ist damit kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für eine nachhaltige, vertrauenswürdige und zukunftsfähige digitale Infrastruktur. 

Auf welcher Grundlage basiert digitale Souveränität?

  1. Rechtliche Dimension
    Digitale Souveränität umfasst die Fähigkeit, Regeln für digitale Lösungen zu definieren und durchzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU, die Transparenz und Kontrolle über personenbezogene Daten gewährleisten soll. Doch Herausforderungen wie das Schrems-II-Urteil und Abhängigkeiten von außereuropäischen Cloud-Anbietern zeigen, wie wichtig es ist, über die reine Rechtskonformität hinauszugehen.
    Franchise-Vereinbarungen mit lokalen Betreibern versuchen, diese Probleme zu lösen, gewährleisten jedoch oft keine echte Selbstbestimmung und Transparenz.

  2. Entscheidungsfreiheit
    Technologische Abhängigkeiten entstehen oft durch proprietäre Schnittstellen und Plattformen. Dies erschwert einen Anbieterwechsel, da die Kosten für den Umstieg oft prohibitiv hoch sind. Durch offene Standards und Open-Source-Software lassen sich solche Abhängigkeiten reduzieren, da sie Interoperabilität und Flexibilität ermöglichen.

  3. Technologische Dimension
    Proprietäre Lizenzen und Vendor-Lock-ins schränken die technologische Selbstbestimmung ein. Open-Source-Software bietet durch Transparenz, Peer-Review und Anpassbarkeit eine Grundlage für technologische Souveränität. Diese erfordert jedoch aktive Communities und Know-how, um nachhaltig genutzt werden zu können.

  4. Kompetenzdimension
    Software allein reicht nicht aus – es braucht Fähigkeiten, um sie sicher und qualitativ hochwertig zu betreiben. Der Aufbau und die Weitergabe von Wissen sind daher entscheidend. Analog zur Open-Source-Bewegung muss auch betriebliches Wissen offener geteilt werden, um die Resilienz zu stärken und echte digitale Souveränität zu erreichen. 
Digitale Souveränität ist somit kein einmalig erreichbarer Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess aus Offenheit, Transparenz und geteiltem Wissen – und SCS ermöglicht es, genau diesen Prozess praktisch umzusetzen.

Ist Sovereign Cloud Stack nur für Deutschland?

Nein. Sovereign Cloud Stack ist kein nationales Projekt, sondern ein offener, international nutzbarer Ansatz für souveräne Cloud-Infrastrukturen.

SCS ist zwar im deutschen Kontext entstanden und adressiert gezielt Anforderungen wie digitale Souveränität, Datenschutz und regulatorische Rahmenbedingungen. Die zugrunde liegenden Prinzipien sind jedoch universell anwendbar:

  • offene Standards
  • Open-Source-Software
  • Interoperabilität
  • transparente Betriebsmodelle

Diese Eigenschaften sind unabhängig von geografischen Grenzen relevant – überall dort, wo Organisationen ihre digitale Infrastruktur kontrollieren, verstehen und flexibel betreiben wollen.

SCS richtet sich daher an:

  • Cloud-Anbieter
  • öffentliche Verwaltungen
  • Unternehmen
  • Integratoren und Betreiber

weltweit.

Gleichzeitig trägt SCS dazu bei, ein stärker föderiertes und vielfältiges Cloud-Ökosystem zu fördern. Anstelle weniger dominanter Plattformen ermöglicht es die Zusammenarbeit vieler Anbieter, die auf gemeinsamen Standards aufbauen und dennoch unabhängig bleiben.

Digitale Souveränität ist somit auch kein ausschließlich europäisches Anliegen, sondern eine globale Herausforderung – und SCS bietet einen offenen Rahmen, um ihr praktisch zu begegnen.